Ein guter Tag. Donnerstag, Apr 1 2010 

Heute hat meine Lady, wie jedes Jahr am ersten April, ihren Winterschlaf beendet und ist nach einigen Versuchen der Wiederbelebung nun auch wieder fit.

Die Wiederbelebung bestand darin, daß sie gestern einmal und heute dreimal überbrückt werden musste, um sich überhaupt fortzubewegen. Nach zwei Versuchen der Batterieaufladung, die scheiterten, war dann auch mir klar, daß das nichts mehr wird, mit der vorhandenen Batterie und der Lady.

Somit machte ich mich auf den Weg zum ATU. Und wie auch schon mehrfach zuvor war dieser Besuch dort Balsam für meine geschundene Service-Seele. Freundlich lächeln und zweimal Wimpernklimpern – und nach den versprochenen zwanzig Minuten hatte mein Augenstern eine neue Niere samt Einbau für 89,40. Ein Schnäppchen. Für mich zumindest. Und man muss ausnahmslos allen Mitarbeitern dort wirklich bescheinigen daß sie nett sind, Plan haben und einfach alles tun um ihre Kunden zufrieden zu stellen. Den Laden mag ich.
Noch schnell in die Waschanlage und nun glänzt sie wieder fein und schnurrt wie ein Kätzchen. Hach. Scheee.

Und die zweite, wirklich hervorragende Sache heute: Habe den ersten Tag meine Krücken daheim gelassen!!! Also nicht daß ich laufe wie Katja Riemann über den roten Teppich, aber ich kann mich fortbewegen, ohne daß ich Schmerzen habe und ohne daß ich unnützen Kram an beiden Händen mit mir rumschleppe. Daß das ganze noch etwas hinkt fällt faaaast nicht auf. Balsam für meine geschundene IchbinvonmeinerUmweltabhängig-Seele. Und das nach vier Wochen. Ich finde das Knaller. 

Somit steht der Flur-Renovierung am Wochenende mithilfe meiner Schwester nichts mehr im Weg.

Klar dass mir das passiert. Mittwoch, Mar 24 2010 

Also das ist mal wieder typisch.
Für die Krankengymnastik und Arzttermine habe ich so Höschen mit viel Stoff. So Pantydinger. Man muss ja da meistens die Hose lassen und da ist das einfach züchtiger und überhaupt wenn da um den Hintern alles fein bedeckt ist.
Diese Schlüpper krame ich dann an solchen Termintagen raus und trage sie.
Normalerweise, also sonst so, trage ich allerdings Strings. Alte Gewohnheit.
Und heute morgen vergaß ich, daß ich heute nachmittag noch einen Termin beim Herrn Krankengymnasten haben würde, den ich direkt nach der Arbeit wahrnehmen musste. Aber, dachte ich mir, seis drum, ich sitze ja da eh auf meinen fünf Buchstaben wenn der gute an meinem Knie arbeitet – genauso, wie es die letzten zehn Termine auch war.
Aber das Gesetz des Zufalls wollte es anders.

Bereits nach fünf Minuten höre ich “drehen Sie sich mal bitte auf den Bauch, ich muss mal an die Kniekehle”. Pling.

Rot. Übrigens. Nicht der Krankengymnast. Waaaaaaahhhh.

Luxusputzfrau Sonntag, Mar 14 2010 

Ich habe keine Putzfrau.
Ich putze und räume höchstselbst, und bei akuter Lust bügle ich und putz sogar die Fenster.

An dieser Stelle erwähnte ich jedoch das Eintreffen meiner Luxusputzfrau.

Vor zwei Jahren hatte ich bereits eine ähnliche Operation am selben Knie. Nach drei Wochen damals war mein Haushalt derart verlottert daß ich unmöglich Besuch empfangen konnte. Selbst putzen war aufgrund Krücken und Null-Belastung nicht – also was tun.
Nach Umfragen im Freundeskreis bekam ich sogleich einen Kontakt – und die Dame nahm sich meiner und meiner Hütte an. Sehr zu meiner Zufriedenheit.

Diesmal hab ich die Sache gleich klar gemacht, kurz nach dem Krankenhausaufenthalt hab ich sie kontaktiert und erneut engagiert.
Allerdings zum letzten Mal.
Entweder sie hatte keine Lust oder keine Augen im Kopf. Die Staubkörner auf den Regalen liegen und vermehren sich noch immer und die Dusche hat auch keinen Lappen gesehen. Schade.

Somit bewege ich mich nun mit Eimer vor mir herschubbernd in Zeitlupe zu den entsprechenden Regalen / Dingen und schwinge sitzend, lehnend oder einbeinig die Lappen.

Was man nicht selbst macht….

Jetzt weiß ichs! Samstag, Mar 13 2010 

Nämlich warum die älteren Herrschaften immer “im Stress” sind.

Wenn man sich an einem Tag einen Arztbesuch und einen Krankengymnastiktermin vornimmt kann es einem nämlich auch als Mittdreißigerin schon mal passieren, daß man einige Stunden unterwegs ist und anschließend völlig erledigt wieder daheim aufschlägt.

In der orthopädischen Praxis, in welcher ich aktuell Dauergast bin, ist das Wartezimmer immer voll. Das Durchschnittsalter beträgt geschätze 75. Und damit übertreibe ich nicht wirklich.

Dort wird sich dann fröhlich unterhalten was für Blumen auf der AnnaHerthaMüllerMeier ihrem Grab letzte Woche lagen, daß die jungen Nachbarn noch gar nicht den Bürgersteig vom Schnee geräumt haben, daß es im Stodl ja noch kälter ist als draußen, bei welcher Krankenkasse man was bezahlt bekommt und so weiter und sofort.

Beim Verlassen der Praxis hört man am Tresen die bereits behandelten Patienten immer sowas sagen wie “in sechs Wocha soll i wieder kumma” oder “Machas mir an Termin näxdn Monat”, und dann kommen sie wieder, setzen sich erneut zwei bis drei Stunden ins Wartezimmer um zu erfahren wer gestorben ist und daß die Schwiegertocher “ja gor net mit dene Gloane umgeh konn”.

Hallelujah.

Sieht so aus. VI Donnerstag, Mar 11 2010 

* es zwickt ganz schön unter den Pflastern. Aber Mutter sagte ja schon: wenns juckt dann heilts ;-)

* die allerätzendste notwendige Aufgabe in diesem Zustand ist Socken anziehen / ausziehen (geht nur mit Zehenhilfe vom Nebenfuß, Zuschauer undenkbar)

* die zweitätzendste notwenige Aufgabe in diesem Zustand ist Hosen anziehen / ausziehen.

* morgen früh werde ich den Ortho erstmals nach der OP aufsuchen und ich fürchte er will meine Fäden #autsch

* entweder ich trinke meinen Kaffee in der Küche oder ich lass es ganz. Transportieren einer Tasse: unmöglich.

* Transportieren eines Tellers jedoch geht so: Auf den Boden stellen und mit dem Fuß bis zum gewünschten Ort vor sich her schubbern.

* Geige spielen im Sitzen ist wesentlich anstrengender und klingt auch nicht so schön.

* Morgen Geburtstag der liebsten Freundin S. mit abendlicher Feier, jedoch noch kein Geschenk vorhanden…

* Außerdem Morgen: Eintreffen der Luxusputzfrau :-)

Sieht so aus. V Mittwoch, Mar 10 2010 

Daheim. Endlich wieder daheim.

Nach einer kleinen Odyssee mit dem Zug heute morgen und dem Anruf der abholenden Freundin kurz vor Ankunft des Zuges, daß ihr Auto nicht anspringt und Aktivierung einer weiteren Freundin hab ich mein eingeschnalltes Knie nun endlich auf meiner Couch geparkt.

Heute nachmittag habe ich sogleich das erste Date mit meinem Krankengymnasten, und am Freitag mit dem Orthopädensaftladen, der uns am Montag für die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung und ein paar Bauchspritzen eine dreiviertel Stunde warten ließ. Leider mangelt es vor Ort an Alternativen.

Immernoch akute Hirnmatsch- und Annähernddepressionszustände, von denen ich fürchte daß sie auf die Mittelchen die ich nehme / nahm zurückzuführen sind. Hat jemand Erfahrung mit “Entzug” von Tilidin und Co? Wie lange dauert denn dieses Gedanken/Alptraumkino??

Sieht so aus. IV Samstag, Mar 6 2010 

Nachdem ich meinen Lagerkoller durch telefonisches beheulen zweier Freundinnen (sie haben auch beide bereitwillig mitgemacht, beide schwanger *g) erfolgreich überwinden konnte hat der Arzt auf Visite gegen 14:30 Uhr die grüne Karte für die morgige Entlassung gegeben. Sehr gut.

Das heißt, daß morgen früh gegen 9:00 M. meine Tasche packen wird (ich “darf “das nicht selbst, von wegen Bewegung, schwer und so…) um mich anschließend heim zu bringen und zwei Tage zu überwachen. Wenn er dann am Dienstag wieder arbeiten muss bringt er mich zu meiner Schwester in DIE Stadt, wo ich weitere zwei bis fünf Tage betreut werde. Was will man mehr.
(Bei dem was ich hier sonst noch erleben durfte kann man dazu nur sagen: dankedankedanke!)

Und jetzt, Freunde, werde ich mir trotz Macht über die Fernbedienung (inzwischen bin ich allein am Zimmer) eine ganz ganz grenzwertige Sendung mit vielen Werbeunterbrechungen ansehen. Und wenn ich so drüber nachdenke hätte ich diesbezüglich fast mal wieder Bock auf Live-Blogging :-)))

Sieht so aus. III Samstag, Mar 6 2010 

Ich will heim.

Ich krieg den absoluten Lagerkoller hier. Alles was ich tue ist meine Zeit in diesem Scheißkrankenhausbett absitzen, welches die gesamte Zeit in der ich hier bin noch nicht mal von einer Schwester gemacht wurde.

Ich hab heut nacht extra ohne Schmerzmittel und ohne Schlafmittel geschlafen um zu sehen ob es geht. Es geht.

Mein Tränenpegel ist seit dem aufwachen permanent einen kleinen Finger breit unter dem Unterlid und es ist kein Arzt in der Nähe. Samstag halt, nur Notdienstler und Visite nicht morgens sondern wenn Zeit.

Wenn es so etwas wie eine Krankenbettdepression gibt dann hab ich die. Ich will nur noch heim.

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